Review: The King’s Speech

Man merkt, dass die Oscar-Verleihung kurz bevorsteht. Die nominierten Filme sind derzeit omnipräsent und für keinen anderen Film gilt das so sehr wie für Tom Hoopers The King’s Speech. Mit unglaublichen 12 Nominierungen tritt dieses leise und poetische Machwerk gegen weitere Hochkaräter wie Aronofskys Black Swan, True Grit der Coen Brüder oder den Abräumer bei den Golden Globes, David Finchers The Social Network, an.

Albert Frederick Arthur George (Colin Firth), der Herzog von York und zweitgeborene Sohn von König George V (Michael „Dumbledore“ Gambon), stottert seit frühester Kindheit. Er meidet öffentliche Auftritte so gut es geht, wobei ihm zugute kommt, dass sein älterer Bruder Edward (Guy Pearce) für die Thronfolge bestimmt ist. Vater und Bruder sticheln häufig über die Sprachstörung des jungen Herzogs. Seine Frau Elizabeth (Helena Bonham Carter) möchte sich nicht mit seiner Störung und dem angeschlagenen Selbstbewusstsein ihres Mannes abfinden und schleppt ihn zu vielen verschiedenen Therapeuten, die „Bertie“ aber allesamt nicht helfen können. Als sie ihn zuletzt in die heruntergekommene Praxis des australischen Sprachtherapeuten Lionel Logue (Geoffrey Rush) führt, hat ihr Mann die Hoffnung auf Besserung schon aufgegeben. Auftakt zu einem grandiosen Spiel zwischen zwei Männern, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

The King’s Speech ist ein unglaublich leiser Film, der sich den Weg in das Zuschauerherz nicht durch ein Actionfeuerwerk oder Brachialhumor freikämpft. Dieser Film lebt von seinen beiden Hauptfiguren (Es ist durchaus angebracht beide so zu bezeichnen, auch wenn Rush in der Kategorie „Bester Nebendarsteller“ bei den Oscars nominiert ist.), denen man wirklich anmerken kann, dass sie bei den Dreharbeiten sehr viel Spaß aneinander hatten. Beide harmonieren so gut miteinander, dass man das Gefühl hat, dass da ein fabelhaft choreographierter Tanz auf der Leinwand aufgeführt wird, jedoch ohne, dass der Zuschauer das Gefühl hat einer Inszenierung beizuwohnen. Im Gegenteil, der Zuschauer wird unglaublich dicht an die Figuren herangeführt. Wir erleben in der ersten Hälfte des Films Figuren, die zwar historische Personen darstellen, die aber mit sehr viel Liebe vorgestellt werden. George als liebenden Ehemann und Vater, der an seinen Selbstzweifeln ständig zu scheitern droht, Elizabeth als Frau, die sich mit jenen Selbstzweifeln nicht abfinden will oder Logue, der davon überzeugt ist, dass er jedem helfen kann, sei es ein australischer Weltkriegsveteran oder der Herzog von York. Dabei überzeugt vor allem die Vielschichtigkeit von George. Firth weiß hervorragend einen Mann zu verkörpern, der gleichzeitig „Bertie“ und der Herzog von York ist, dem auch aristokratische Arroganz nicht fremd ist. So kommt es in Logues schäbiger Praxis zu manch einem Wortgefecht, da der Sprachtherapeut George wie jeden anderen Patienten auch behandelt. Logues Impertinenz ringt George gleichzeitig Empörung und Respekt ab. Diese Wortduelle sind manchmal tragisch, oft lustig, aber nie zotig, selbst dann nicht, wenn Logue „Bertie“ auffordert laut zu fluchen. Es ist amüsant anzuschauen wie sich zwischen den Männern eine Freundschaft entwickelt, die im Hinblick auf ihre Standesunterschiede niemals denkbar wäre. So begleitet Logue „Berties“ Wandel zum König von England nach der Abdankung seines Bruders. Was hier erzählt wird ist vielleicht nicht immer historisch korrekt, wobei ich mich gar nicht erst in die Untiefen der britischen Appeasement-Politik hineinwagen möchte. Auch, dass George V und Edward VIII durchaus Sympathien für das Naziregime hegten, bleibt eine Randnotiz, aber das alles tut dem Film keinen Abbruch, der die Geschichte eines Mannes zeigt, dem nur eins mehr zuwider ist als eine öffentliche Rede zu halten: Sein Volk in einen weiteren Krieg zu führen.

Fazit: The King’s Speech ist großes Kino, das seine zahlreichen Oscarnominierungen durchaus verdient. Firth und Rush tragen die Geschichte mit viel Spielfreude voran. Der Film ist keine dröge Geschichtsstunde und kommt trotz des schweren Themas sehr leichtfüßig daher. Der Zuschauer wird vorzüglich amüsiert und niemals überfordert. Diese Tragikomödie verbindet auf wundervolle Weise die Ernsthaftigkeit der damaligen historischen Gegebenheiten mit der Freundschaft zweier unterschiedlicher Männer, die sich trotz allem auf Augenhöhe begegnen. Ich denke, dass sowohl Tom Hooper als auch das Duo Firth/Rush mit The King’s Speech ihr Meisterstück abgegeben haben.

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