Review: Sucker Punch

Nach ein paar Wochen kinoloser Zeit und einem nie geschriebenen Review über In einer besseren Welt (der übrigens sehr gut war, also: Sorry for that!) sollte es nun Zack Snyders Sucker Punch werden. Ich sollte vorweg sagen, dass Snyder Glück hat, dass ich dieses Review schreibe und nicht meine geschätzte Lektorin und geliebte Freundin, denn Sucker Punch versetzte sie in einen Fluchmodus, der meinem nach Monsters nicht unähnlich war. Doch dazu später mehr.

Zur Story: Unsere Geschichte beginnt mit einer jungen Frau und ihrer jüngeren Schwester, die nach dem Tod der Mutter in die Obhut ihres (was sonst!) bösen Stiefvaters kommen,  der sie um das Erbe ihrer Mutter bringen will. Bei einer handgreiflichen Auseinandersetzung bedroht unsere Heldin den Stiefvater mit einer Pistole und erschießt kurz darauf versehentlich ihre Schwester. Dies nutzt der Stiefvater als Vorwand um sie in eine psychatrische Anstalt einweisen zu lassen, wo er den Oberpfleger schmiert, damit dieser eine Lobotomie arrangiert. Weil die junge Dame allerdings von dem Plan erfährt, beschließt sie mit anderen Patientinnen die Flucht aus der Anstalt indem sie sich in eine Phantasiewelt flüchtet. So beginnt eine Odyssee durch bizarre Welten.

Vom Handwerk des Filmemachens versteht Zack Snyder etwas. Optisch und technisch sind Snyderfilme wunderbar anzuschauen. Selbst, wer mit der wortkargen Story von 300 oder dem abgefahrenen Kram in Watchmen nichts anfangen konnte, musste doch zugeben, dass die Filme immer unheimlich gut aussahen. In diese Reihe fügt sich Sucker Punch nahtlos ein. Man könnte sich einfach nur zurücklehnen und das Feuerwerk genießen, das Snyder hier an Effekten, Kampfszenen und nicht zuletzt atemberaubend abgefahrenen Settings für die verschiedenen Aufgaben, die seine Protagonistinnen zu bewältigen haben, auffährt. Könnte man, wäre da nicht die Geschichte selbst. Anders als in den beiden zuvor genannten Beispielen versucht sich Zack Snyder dieses Mal auch als Drehbuchautor und genau da liegt der Hase im Pfeffer:

Ich gebe zu, dass die Grundidee der Story – junge gequälte Frauen zeigen durch ihre Fantasie Stärke und schütteln ihr Joch ab – Potential hat, aber auch das kann den konfusen Plot von Sucker Punch nicht retten. Gerade waren wir noch in einer Anstalt, dann in einem Varieté-Puff um dann auf einem Schlachtfeld des ersten Weltkriegs mit durch Dampfkraft(!) wiedererweckten deutschen Zombiesoldaten zu sein. Ja, das läuft hier wirklich so ab! Der Versuch mehrere Realitäts- bzw. Fantasieebenen gekonnt zu verschachteln misslingt so grandios, dass Christopher Nolan wahrscheinlich noch immer weint. Zugegeben, wer nicht so genau hinsieht, könnte immerhin darauf kommen, dass der Film den Anspruch hat, Frauen nicht als Opfer, sondern als stark und emanzipiert darzustellen. Leider sahen meine Freundin und ich genauer hin: Die Mädels, mit solch schönen Namen wie Baby Doll oder Sweet Pea, laufen in ihrer Fantasie so herum, dass es japanischen Animezeichnern und vielen Geeks die Freudentränen in die Augen treiben dürfte: kurze Röcke, Schulmädchen-Outfit – klischeehaft eben. Was zu viel ist, ist und bleibt eben zu viel. Und genau diese Tatsache und ein, ich zitiere, „absolut miserabler Versuch sich in die Psyche einer  Frau hinein zu versetzen“ brachten meine Freundin in den zu Anfang erwähnten Fluchmodus.

Fazit: Wer sich einen actionlastigen Film mit tollen Effekten und leicht bekleideten jungen Frauen ansehen und nicht zu viel nachdenken möchte, der ist bei Sucker Punch sicherlich an der richtigen Adresse. Für alle anderen gilt: Kinogeld sparen und die DVD von 300 oder Watchmen ansehen. Bleibt nur noch die Bitte: Zack, besinne dich wieder auf das, was du kannst, und lass andere die Drehbücher schreiben.

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