Review: X-Men: First Class

Der Review-Rundumschlag (Wort freundlich hier geklaut geborgt) geht in die nächste Runde. Das Hollywood dieser Tage liebt Comics, alle lieben Comics, weshalb jetzt wohl auch so viele Leute mit Nerdbrillen auftauchen, die Comics schon immer gut gefunden haben. Auch die zum Lesen. Jaha, sie haben es schon immer gewusst, dass Clark Kent nachts in New York zum dunklen Ritter wird. Aber lassen wir das. Kümmern wir uns lieber um ein filmtechnisch zuerst lieb gewonnenes und dann gehasstes Franchise: die X-Men. Die Comicreihe ist seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wohl die Serie mit der größten gesellschaftlichen Aktualität und/oder Brisanz, was Rassismus und Behandlung von Minderheiten angeht. So war es mehr als fällig, dass es im Kino zu einem Reboot kommt.

Nach dem fabelhaften X-Men und dem guten X-Men 2, dem Haufen Kot, der sich X3 – Der letzte Widerstand schimpft, und dem völlig irrelevanten, potential verballernden X-Men origins: Wolverine mussten Fans der Serie lange darauf warten, dass jemand endlich wieder etwas Liebe in die gequälten Figuren steckt.

Die Handlung dreht sich vorrangig um Charles „Professor X“ Xavier (James McAvoy) und Eric „Magneto“ Lehnsherr (Michael Fassbender). Beide sind zwar noch jung, gehören aber zu den mächtigsten Vertretern der Mutanten und versuchen gemeinsam den ehemaligen KZ-Arzt Sebastian Shaw (Kevin Bacon) daran zu hindern, die Welt zu vernichten. Dabei bilden sie eine Gruppe anderer junger Mutanten aus um sich gegen Shaw (selbst Mutant) und seine Handlanger durchsetzen zu können. Das Ganze spielt während der Kuba-Krise, die – aufgepasst lieber Geschichtsleistungskurs – von Shaw inszeniert und manipuliert wird. Um ihre Ziele zu erreichen, beschreiten Charles und Eric nach und nach verschiedene Wege, die sie, wie der Comicleser weiß, schlussendlich voneinander trennen werden.

Wir wollen der Wahrheit die Ehre geben: Natürlich ist die Story an den Haaren herbeigezogen, aber seien wir doch mal ehrlich: Welche Handlung in einem Comic ist das nicht? Wichtig für das X-Men Franchise ist hier einzig und allein, dass wieder jemand Liebe in die Geschichts- und Charakterentwicklung gesteckt hat. Dabei kommt es nicht einmal darauf an, dass die schauspielerischen Einzelleistungen durchaus zu vernachlässigen sind. Das Grundpaket stimmt einfach. Wir haben Action mit coolen Mutantenkräften, interessante Facts aus der Anfangszeit der X-Men und ein Drehbuch, das auch mit Selbstironie (Professor X: „Als nächstes bekomm‘ ich noch ’ne Glatze!“) nicht geizt. (Wobei ich mich gerade frage, warum man als Professor X nicht wieder Patrick Steward gecastet hat. Der wird schließlich auch seit gefühlten 40 Jahren nicht älter.) X-Men: First Class kommt dabei auch ganz ohne 3D-Kokolores aus und bietet trotzdem effektvolle Bilder, die Spaß machen.

Fazit: Man muss Comicverfilmungen nicht lieben, aber First Class gehört mit Sicherheit zu den besseren dieses Genres. Obwohl die Schauspieler für sich allein nicht wirklich überzeugen können, ist der Gesamteindruck jedoch durchweg positiv. Der Film unterhält und das auch noch ganz hervorragend. Ausserdem bietet er so viel Liebe zur Vorlage, dass eingfleischte Fans sich nicht direkt vor lauter Frust die Finger abkauen. Wenn es so weitergeht, dann bitte mehr davon.

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